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Web-Security in der EU: Wo stehen 700.000 europäische Websites wirklich?

94,8% der europäischen Websites bekommen die Note D oder F. Daten aus dem SiteGuardian Benchmark mit 704.044 Websites aus 30 Ländern.

· SiteGuardian

Daten aus dem SiteGuardian EU Web Security Benchmark — April 2026, 704.044 bewertete Websites aus 30 Ländern.

94,8% fallen durch

Wir haben 704.044 europäische Websites automatisiert geprüft — über sechs Dimensionen: HTTP-Security-Headers, TLS-Konfiguration, DNS-Sicherheit, E-Mail-Authentifizierung, Accessibility und Cookie-Compliance.

Das Ergebnis:

Note Anteil
A 0,0% (16 Websites)
B 0,2%
C 5,0%
D 52,5%
F 42,3%

Das sind keine Nischenseiten. Im Benchmark stecken Unternehmen, Behörden, Krankenhäuser, Banken und E-Commerce-Plattformen aus der gesamten EU — Organisationen, die unter NIS2, DORA oder DSGVO operieren und täglich personenbezogene Daten verarbeiten.


Die regulatorische Landschaft: Was die EU verlangt

Die EU hat in den letzten drei Jahren einen regulatorischen Rahmen geschaffen, der Web-Sicherheit von einem Nice-to-have zur Pflicht macht. Drei Regelwerke sind besonders relevant:

NIS2 (Richtlinie 2022/2555) — seit Oktober 2024 in nationales Recht umzusetzen. Artikel 21(2) verlangt von wesentlichen und wichtigen Einrichtungen konkrete Maßnahmen: Kryptographie, Incident Response, Lieferkettensicherheit und — in Absatz (e) — Vulnerability Handling and Disclosure. Betroffen sind Energie, Transport, Gesundheitswesen, digitale Infrastruktur, Fertigung, Lebensmittel, Postdienste und digitale Anbieter. Strafen: bis zu 10 Mio. EUR oder 2% des weltweiten Jahresumsatzes.

DORA (Verordnung 2022/2554) — gilt seit Januar 2025 für den Finanzsektor. Artikel 6-8 fordern ein ICT-Risikomanagement inklusive Schwachstellenidentifikation und -behebung. Betroffen sind Banken, Versicherer, Investmentfirmen, Krypto-Dienstleister und deren kritische IT-Zulieferer.

Cyber Resilience Act (Verordnung 2024/2847) — Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen ab September 2026 (Art. 11), koordinierte Vulnerability Disclosure ab Dezember 2027 (Art. 14). Betroffen sind Hersteller, Importeure und Händler digitaler Produkte. Strafen: bis zu 15 Mio. EUR oder 2,5% des Umsatzes.

Die Anforderungen sind da. Wie sieht die Realität aus?


HTTP-Security-Headers: Die erste Verteidigungslinie fehlt

Security Headers sind serverseitige Anweisungen, die den Browser schützen — gegen Cross-Site-Scripting, Clickjacking, MIME-Confusion und Downgrade-Angriffe. Sie kosten nichts, brauchen meist eine Zeile Konfiguration, und werden trotzdem kaum eingesetzt:

Header Adoption Was er schützt
Strict-Transport-Security (HSTS) 27,6% Verhindert Downgrade auf HTTP
X-Content-Type-Options 27,7% Blockt MIME-Sniffing
X-Frame-Options 19,2% Verhindert Clickjacking
Referrer-Policy 13,1% Kontrolliert Referrer-Leaks
Content-Security-Policy (CSP) 10,8% Mitigiert XSS und Injection
Permissions-Policy 6,4% Schränkt Browser-APIs ein

Drei von vier Websites erlauben unverschlüsselte Verbindungen, obwohl ein TLS-Zertifikat vorhanden ist — HSTS fehlt. 24,3% leiten nicht einmal automatisch auf HTTPS um.

Content Security Policy — die wirksamste Einzelmaßnahme gegen XSS-Angriffe — ist bei 89% der Websites nicht vorhanden.


E-Mail-Sicherheit: Phishing leicht gemacht

Phishing und Business Email Compromise sind die häufigsten Angriffsvektoren in Europa. Die technischen Gegenmaßnahmen existieren seit Jahren — und werden nicht eingesetzt:

Standard Adoption Zweck
SPF 75,7% Absenderverifikation
STARTTLS 56,3% Transportverschlüsselung
DMARC 46,8% Policy-Durchsetzung
DKIM 31,1% Nachrichtenintegrität
MTA-STS 0,5% Erzwungene Transportverschlüsselung

SPF allein reicht nicht. Ohne DMARC mit reject- oder quarantine-Policy kann jeder E-Mails im Namen Ihrer Domain versenden. Von den 46,8% die DMARC haben, setzen 63% die Policy auf none — also keine Durchsetzung. Die Domain bleibt spoofbar.

Besonders aufschlussreich sind die Fehlkonfigurationen im Feld. Wir finden DMARC-Policies wie quarantaine, rejet, keiner, brak (polnisch für "fehlt"), beleidsnaam (niederländisch für "Policy-Name") — und eine Website, die ihren kompletten RSA-Schlüssel ins Policy-Feld kopiert hat. Solche Konfigurationsfehler sind schwer zu entdecken — der Record existiert, die Compliance-Checkliste ist abgehakt, aber der Schutz greift nicht. Genau für diese Lücke zwischen "konfiguriert" und "wirksam" haben wir SiteGuardian entwickelt: automatisierte Prüfung, die nicht nur das Vorhandensein, sondern die korrekte Funktion jeder Maßnahme verifiziert.


DNS: Das Fundament ist ungesichert

Standard Adoption Zweck
DNSSEC 15,8% Schutz vor DNS-Manipulation
CAA 3,0% Kontrolle über Zertifikatsausstellung
MTA-STS 0,5% Erzwungene E-Mail-Verschlüsselung
DANE/TLSA <1% Zertifikatspinning für SMTP

84% der europäischen Domains haben keinen DNSSEC-Schutz. Ein Angreifer, der DNS-Antworten manipulieren kann, kann Nutzer auf gefälschte Seiten umleiten — inklusive gültigem TLS-Zertifikat, wenn kein CAA-Record die Ausstellung einschränkt. 97% haben keinen.


Der security.txt-Indikator

RFC 9116 definiert eine einfache Textdatei unter /.well-known/security.txt, die Sicherheitsforschern einen standardisierten Meldekanal bietet. Das BSI empfiehlt sie explizit, NIS2 verlangt Vulnerability Disclosure, der CRA macht koordinierte Offenlegung zur Pflicht.

Adoptionsrate in der EU: 2,8%.

Der interessante Befund: security.txt korreliert stark mit der Gesamtreife einer Website.

Metrik MIT security.txt OHNE Faktor
Composite Score 55 42 +31%
HSTS 72% 26% 2,8×
Content Security Policy 47% 10% 4,7×
Note F 6% 44% 7× weniger

security.txt ist kein Allheilmittel. Wer es einrichtet, hat meistens den Rest auch im Griff. Es ist ein Proxy für Security-Maturity — fehlt es, fehlt meistens alles andere auch.


Wo Europa steht: Das Länder-Ranking

Rang Land Score Anzahl
1 Malta 46 640
2 Island 45 928
3 Deutschland 45 203.075
4 Großbritannien 44 73.769
5 Luxemburg 44 1.303
6 Schweiz 43 26.248
7 Norwegen 43 8.814
8 Niederlande 43 37.893
...
26 Spanien 39 26.214
27 Österreich 39 30.804
28 Ungarn 38 6.886
29 Litauen 38 3.539
30 Polen 37 30.694

Deutschland führt unter den großen EU-Staaten — aber mit 45 von 100 Punkten. Das Beste unter den Schlechten. Der Abstand zwischen Platz 1 und Platz 30 beträgt gerade einmal 9 Punkte. Europa hat kein Vorreiter-Land, das den Standard setzt. Es hat ein flächendeckendes Defizit.


Was CISOs jetzt tun sollten

1. Baseline messen. Sie können nicht managen, was Sie nicht messen. Scannen Sie Ihre Domains — automatisiert, regelmäßig, über alle sechs Dimensionen.

2. Security Headers aktivieren. HSTS, CSP, X-Content-Type-Options — drei Header, die einen Großteil der häufigsten Web-Angriffe mitigieren. Die meisten Web-Frameworks können das mit einer Konfigurationszeile.

3. DMARC auf reject setzen. Starten Sie mit quarantine und pct=10, beobachten Sie die Reports, eskalieren Sie zu reject. policy=none schützt niemanden.

4. DNSSEC aktivieren. Sprechen Sie mit Ihrem DNS-Provider. Die meisten großen Anbieter unterstützen es — es muss nur eingeschaltet werden.

5. security.txt einrichten. Fünf Minuten Aufwand, RFC 9116. Zwei Pflichtfelder: Contact und Expires. Das BSI hat eine Anleitung, und NIS2 Art. 21(2)(e) verlangt Vulnerability Disclosure.

6. Nicht nur die Startseite prüfen. Subdomains, APIs, Mailserver — die Angriffsfläche ist größer als die Homepage. Ein automatisierter Benchmark deckt systematisch auf, was manuelle Audits übersehen.


Methodik

Dieser Artikel basiert auf dem SiteGuardian EU Web Security Benchmark mit 704.044 bewerteten Websites aus 30 europäischen Ländern (Stand April 2026). Der Benchmark prüft sechs Dimensionen: HTTP-Security-Headers, TLS-Zertifikate, DNS-Sicherheit (DNSSEC, CAA, DANE, MTA-STS), E-Mail-Authentifizierung (SPF, DKIM, DMARC, STARTTLS), Accessibility (WCAG 2.2 AA) und Cookie-Compliance. Alle Scans laufen automatisiert, kontinuierlich, ohne manuelle Auswahl oder Sponsoring.

Der Benchmark ist frei zugänglich unter siteguardian.io/benchmark.

SiteGuardian ist ein EU-basiertes Compliance- und Monitoring-Tool für Web-Sicherheit, entwickelt in Deutschland.

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2026-04-13

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